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Die Kaunertaler Schmuggler

Viehschmuggel über steile und schroffe Gebirgspässe. Das hört sich im ersten Moment wie eine Märchengeschichte an. Doch im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert war die Gegend rund um das „hintere Kaunertal“ für Viehschmuggel weit über die Grenzen hinaus bekannt.

Als am 10.09.1919 durch die Trennung von Nord- und Südtirol der Übergang vom Kaunertal über das Weißseejoch ins benachbarte Langtaufers zur militärischen Sperrzone wurde, glaubte zuerst niemand, dass man trotz allem hier noch Geschäfte mit Italienern machen kann.

Allerdings wurde gerade das Gelände rund um das Weißsseejoch für den Viehschmuggel von Österreich nach Italien sehr interessant.
So trieben nach dem 1. Weltkrieg die Südtiroler Bauern scharenweise Kaunertaler-Vieh über die Grenze.

Im benachbarten Langtaufers ist der Viehandel aber bereits seit 1885 bekannt und dokumentiert.


Aber warum nahmen die Bauern diesen Aufwand in Kauf?

Dieser Viehandel der etwas illegalen Art hatte für beide Seiten klare Vorteile. In Österreich war der Preis für Kälber und Kühe mehr oder weniger am Boden. Nicht so im benachbarten Südtirol/Italien. Hier wurde das Vieh zu einem deutlich höheren Preis verkauft. Deshalb wurde dieser Handel zur win-win-Situation für beide Seiten.
Nervenaufreibende Situationen beim Schmuggel gab es aber unendlich viele. Teils hatten hier auch die Schmuggler einen großen Teil dazu beigetragen.
Gerade im Winter, schafften die Tiere den weiten Weg oft nicht alleine. So wurden diese kurzenhand auf Schlitten gebunden und man rodelte mit den Kühen am Schlitten zurück ins Tal. Diese schwer beladenen Schlitten zu manövrieren, war oftmals nicht mehr möglich und die Bauern mussten den Notausstieg wählen, und somit den Schlitten und das Vieh zurücklassen.


Raffinierte Schmuggler

Da der Vieh-Handel zwischen Nord- und Südtirol zu dieser Zeit untersagt wurde, mussten die Bauern immer auf der Hut vor der im Bereich des Weißseejoch stationierten Finanzpolizei sein.

Um beim Handel nicht erwischt zu werden, versteckten die Langtauferer Bauern den für den Viehkauf vorgesehenen Geldbetrag oftmals schon einige Zeit vor dem geplanten Schmuggel in der Nähe des Gebirgskammes. Da sich einige Schmuggler ihr Geldversteck aber nicht exakt merken konnten, wurde aus dem verhofften schnellen Geschäft öfter eine längere Suchaktion. 


Treue Helferin der Kaunertaler Schmuggler

Dass alles reibungslos über die Bühne gehen konnte und niemand von den sehr aufmerksamen Zollbeamten erwischt wurde, hatten viele vor allem der damaligen Wirtin des Gepatschhauses zu verdanken.

Waren die Zöllner unterwegs, hingen am Fenster des Gepatschhauses immer die Betttücher. 
So wurden die Schmuggler gewarnt und konnten sich und ihre Kühe rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Wurde man trotz aller Hilfe erwischt und gefasst, drohten den zur damaligen Zeit ohnehin schon schwer von der Wirtschaftskrise getroffenen Bauern empfindliche Strafen und die Beschlagnahmung des Viehs.

Durch das Verbot des Viehschmuggles und die strengen Grenzkontrollen durch die Zollbeamten, kam es sogar vor, dass es zwischen Schmugglern und Beamten zu Schusswechseln kam.

Geschichte eines echten Schmugglers

Die Geschichte von Josef Hafele, einst selbst Schmuggler, beschreibt am besten, was alles schief gehen konnte.

Nach dem sehr anstrengenden Aufstieg vom Kaunertal bis auf das Weißseejoch (knapp 1.700 Höhenmeter) – wobei man immer abseits von den markierten Wegen gehen musste – kauften die Bauern aus Langtaufers bis zu 25 Kühe.

Nach Abschluss der Geschäfte wollten die Südtiroler das Vieh über das Joch hinabtreiben. Leider aber deckten die Finanzbeamten den Schmuggel auf und übernahmen die Kuh-Herde.
Diese trieben die zuvor verkauften Tiere wieder zurück ins Tal hinab. Da jede Kuh selbst ihren Stall erkannte und selbstständig wieder zurück in diesen hinein wanderte, konnten die Beamten alle Schmuggler entlarven.

Glück im Unglück hatte aber Joef Hafele, welcher ohne größere Strafen davonkam. Andere jedoch mussten sogar bis zu 6 Monate ins Gefängnis.

Daniel Frizzi
Marketing Kaunertaler Gletscherbahnen
Daniel Frizzi
Marketing Kaunertaler Gletscherbahnen